Von Gesellschaft zu Identität März 22, 2008
Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.Tags: Manuel Castells, Identität, Widerstandsidentität, legitimierende Identität, Projektidentität, Informationszeitalter, Patriarchalismus
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Die Frage nach Gesellschaft hat sich verlagert. Während ich zuvor in der Zuordnung zu einer Gesellschaft gedacht habe, scheint mir nun nach Manuel Castells “Die Macht der Identität”4 die Zuordnung zu Identitäten wichtiger. Ein Punkt, den ich mir so noch nie wirklich überlegt habe. Auch wenn der Unterschied beinahe nur im Wort ‘Identität’ und ‘Gesellschaft’ an sich liegt und der Ebene der Betrachtung, so ist für mich der Begriff der Gesellschaft stärker mit nationalen, religiösen oder wirtschaftlichen Grenzen verbunden.
“In der Netzwerkgesellschaft ist für die meisten sozial Handelnden der zentrale Bezugspunkt von Sinn eine primäre Identität - also eine Identität, die den anderen den Rahmen vorgibt -, die über Zeit und Raum hinweg selbsterhaltend ist.”
(Castells 2003: 9)
Castells unterscheidet von drei Identitäten. Der legitimierenden Identität, der Widerstandsidentität und der Projektidentität. Die legitimierende Identität orientiert sich an einer herrschenden Institution (z.B. dem Staat). Die Widerstandsidentität entsteht durch Benachteiligung ausgehend von der herrschenden Institution. Und die Projektidentität entsteht, “wenn sozial Handelnde auf der Grundlage irgendwelcher ihnen verfügbarer kultureller Materialien eine neue Identität aufbauen [...]” (Castells 2003: 10).
Eine in der Tat spannende Lektüre war Castells zweiter Band über das Informationszeitalter. Die Konstruktion von Identität zieht sich dann weiter durch den ganzen Band als grundlegende Kraft der Bildung von Gesellschaften, welche keineswegs an einen physischen Ort gebunden sein müssen.
Ein weiteres Schwergewicht legt Castells - neben der Vertiefung in fundamentalistische Ströme - auf den bröckelnden Patriarchalismus. Ein Fokus auf ‘die kleinste Zelle des Staates’ - die Familie -, dessen Bezug auf die Informationsgesellschaft durch die flexible Arbeit der Frau gewährleistet ist. Diese flexible Arbeit der Frau wird in der Informationsgesellschaft verstärkt nachgefragt und verbessert die wirtschaftliche Macht der Frau innerhalb der Familie - und somit auch ihre Verhandlungsmacht. Für eine volle Ausführung über die Kapitel in “Die Macht der Identität” ist in diesem Blog eindeutig zu wenig Platz. Ich denke einzig die Empfehlung sich diese Kapitel einmal anzuschauen kann ich hier abgeben.
Einer geeigneten Metapher für die Weltgesellschaft im Informationszeitalter bin ich seit dem letzten Beitrag nicht näher gekommen, aber immerhin einem geordneteren Bild über die Welt als solches.
Lieber Beat
Wie Du Deine Auseinandersetzung mit diesem wahrlich nicht einfachen Thema im Blog verarbeitest, finde ich ganz, ganz toll und ich bewundere, wie Du Dich da reinkniest! Das liest sich absolut spannend, die einzelnen Beiträge wirken abgeschlossen und gleichzeitig zeigst Du immer auf, wie die Reise weiter gehen soll (à la “Fortsetzung folgt”), womit man sich mit Interesse dem nächsten Blogeintrag zuwendet.
Absolut passend finde ich das Blogdesign, grundsätzlich schön auch die andere Schriftfarbe bei den Zitaten, vielleicht ist das Grau ein wenig gar hell (aber das ist ein Detail).
Hervorragend gelungen die Verlinkung zu Citeulike über die Fussnoten (darauf bin ich gar nicht gekommen - tolle Lösung!); achte noch darauf, dass Du beim Autor-Jahr-System eine konsistente Zeichensetzung verwendest (eher ohne Semikolon nach dem Autor), dass Du nicht zu viele Sekundärquellen benutzt (z.B. disperses Publikum bei Maletzke) und dass Du übliche Autor-Jahr-Angaben verwendest (bei Castells nicht das Vol, angeben, sondern die Erscheinungsjahre mit a, b, c, etc. ergänzen).
Ohne grundsätzlich etwas gegen Wikipedia zu haben, sind die Verlinkungen, die ich sehr gut gesetzt und verwendet finde, jetzt etwas “wikipedialastig”. Das kommt, wie Du vielleicht schon weisst, nicht überall gleich gut an…;-))
@René: Darf ich fragen, wieso noch keine Kommentare online sind? Evtl. noch nicht freigeschaltet durch Beat?
Ich empfehle in diesem Sinne weiterzubloggen und freue mich bereits auf den nächsten Beitrag!
Mit lieben Grüssen
Gusti
Hallo Gusti
Vielen Dank für den positiven Kommentar und die Hinweise über die Konsistenz der Zeichensetzung.
Im Grunde versuche ich weitestgehend auf Primärquellen zurück zu greifen. Vor allem beim ‘dispersen Publikum’ besteht das Problem darin, dass ich Maletzkes Buch “Psychologie der Massenkommunikation: Theorie und Systematik” in so kurzer Zeit nicht auftreiben konnte. Zudem denke ich sollte es durchaus vertretbar sein, wenn ich mich bei diesem Begriff auf den Umweg über Burkart stütze. Bei den Aussagen von McLuhan und Castells wird es da nochmals schwieriger. Bei Castells z.B. verfügt bereits ein einzelner Band über ein Literaturverzeichnis von rund 25 Seiten.
Die Verlinkung zu Wikipedia hat für mich eher etwas mit dem Blogdesign zu tun. Ich denke die Preview, welche WordPress bietet macht bei Links zu Wikipedia am meisten Sinn, da die Vorschau ein kurzes einlesen erlaubt. Eine kritische Sicht seitens Leser gegenüber Wiki-Artikeln (und Artikeln überhaupt) setze ich da einfach voraus ;).
Beste Grüsse
Louie