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MedienMassen - Der letzte Stromnest Beitrag Juni 29, 2008

Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.
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Nun ist es soweit, mit diesem Beitrag habe ich neun Beiträge in meinem Blog plus den einen in der About Page - also insgesamt zehn Beiträge. Das bedeutet, dass mit diesem Beitrag der Stromnest-Blog zu Ende geht. Das heisst, eine letzte Sache möchte ich noch einbringen.

Da der Begriff der Masse bei der Frage nach dem Globalen Dorf noch eine relativ wichtige Rolle spielt - und vor Allem die Frage, wie sich diese Masse verhalten wird - war es meine Absicht, mich mit dem Urvater der Massenpsychologie auseinander zu setzen. Gustave Le Bon beschrieb in seinem Buch “Psychologie der Massen”7 wie sich seiner Ansicht nach die Massen verhalten, respektive wie ihre Seele funktionieren soll. Hierbei wollte ich ausdrücklich neuere Ansätze ignorieren. Es fiel mir schwer beim lesen mit Le Bons Ansichten einig zu werden. Beispielhaft dafür ist folgende Passage:

“Nach diesem allgemeinen Hinweis auf die Hauptkennzeichen der Massen kommen wir nun zur Untersuchung der Einzelheiten.

Verschiedene besondere Eigenschaften der Massen, wie Triebhaftigkeit (impulsivité), Reizbarkeit (irritabilité), Unfähigkeit zum logischen Denken, Mangel an Urteil und kritischem Geist, Überschwang der Gefühle (exagération des sentiments)  und noch andere sind bei Wesen einer niedrigeren Entwicklungsstufe, wie beim Wilden und beim Kinde, ebenfalls zu Beobachten.”

(Le Bon 1982: 19)

Gustave Le Bon sieht die Masse als ein geistig unterentwickeltes Gebilde. Die Weltkriegsjahre haben seine Thesen in gewisser Weise bestätigt. Dennoch wirken seine Thesen aus heutiger Sicht viel zu undifferenziert. Le Bon selbst sagt dazu: “Andere werden das Gebiet [der Massenpsychologie] besser bearbeiten. Heute ist es noch jungfräulicher Boden, den wir beackern.” (Le Bon 1982: 7). Auch wenn man heute tatsächlich einiges anders sieht, so stelle ich mir die Frage, ob es wirklich nur am Fortschritt der Forschung liegt, oder nicht doch an den Massen selbst die sich ihrerseits durch die neuen Medien verändert und weiterentwickelt haben. Während Gustave Le Bon die Massen noch als “Rückgrat ohne Hirn” bezeichnet, so ist es angesichts der neuen Medien augenfällig, wohin sich diese Massen nun bewegen - nämlich zu einem Rückgrad mit ‘Global Brain’. Man könnte also sagen, die Massenseelen sind reifer geworden seit Le Bon.

Meine Schlussfolgerung aus den bisherigen Blogs endet also darin, dass McLuhans ‘Global Village’ keineswegs ein geeignetes Sinnbild für die vernetzte Weltgesellschaft darstellt. Der Begriff des ‘Global Brain’ gibt wesentlich mehr her und zeigt auch deutlich, wie komplex die ganze Weltgesellschaft sich darstellt. Nur angesichts vom Dorfklatsch, dem man plötzlich ausgeliefert sein kann, ist es angemessen von einem ‘Global Village’ zu sprechen. Aber es bleibt spannend, denn es gibt bereits die Wissenschaften, die sich mit diesem Thema auseinander setzen und die Netz[werk]gesellschaften genauer untersuchen.

In diesem Sinne Tschüss alle miteinander, hiermit schliesse ich den Stromnest Blog. Netz[werk] hin oder her, ich gehe jetzt nach draussen und geniesse das schöne Wetter!

Global Brain Juni 8, 2008

Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.
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Das ‘Global Village’ im digitalen Zeitalter und das ‘Global Brain‘ laufen im Grunde auf das Selbe hinaus: Eine gigantische Masse an Erdbewohnern, die durch die neuen Medien kaum Zeit verschoben miteinander verbunden und konfrontiert sind. Die digitalen Schaltungen, welche das globale Dorf vernetzen und schneller kommunizieren lassen, machen ein quasi Gehirn aus unserer Welt. Dabei werden die Menschen als Individuen zu so etwas wie Neuronen, die Inputwerte aufnehmen und mit entsprechenden Gewichtungen wieder auf andere Neuronen (Individuen) verteilen. Ein Neuron ist lediglich eine Zelle, die Informationen resp. Impulse weiter gibt. Die Verbindung von zwei Neuronen hat immer eine Gewichtung. Je nach Gewichtung ist eine Information mehr oder weniger Bedeutsam und nimmt entsprechend mehr oder weniger Einfluss darauf, ob eine Information vom jeweiligen Empfänger Neuron ebenfalls weitergeleitet wird. Bei diesem Vergleich ist zu beachten, dass ein Neuron an sich als etwas angesehen wird, was ohne Vernetzung eigentlich nichts kann. Erst der Zusammenschluss zu einem neuronalen Netz macht aus den einzelnen Zellen eine leistungsfähige Rechenmaschine.

In der Informatik wird ebenfalls an neuronalen Netzen geforscht. Meistens im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz oder Sprachverarbeitung. Über den Aufbau neuronaler Netze gibt es eine hervorragende Online-Einführung auf neuronalesnetz.de.

In diesem Zusammenhang hat mich letzthin jemand auf den Roman Accelerando aufmerksam gemacht. Ein online frei verfügbarer Science-Fiction Roman, in dessen Story sich die Menschheit zu einem ‘externen Cortex’ vereint.

Für das globale Dorf könnten Neuronale Netze mögliche Ergebnisse der vernetzten Internetgesellschaft abschätzbar machen. Zusammen mit der Memetik liessen sich die Vorgänge im Netz dadurch besser nachvollziehen oder verstehen. Beide Themen gehen recht stark in die Tiefe. Deshalb sei hier nur auf ihr Potential und ihre Bedeutung hingewiesen und angesichts der beschränkten Zeit dieses Blogs werde ich nicht mehr weiter darauf eingehen. Ich denke auch daran den Blog in den nächsten Wochen definitiv abzuschliessen, werde mich aber noch mit dies und jenem, was mir zu dem Thema begegnet melden.

Dorfklatsch Mai 24, 2008

Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.
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Um etwas näher auf den Charakter eines echten Global Village zu kommen möchte ich noch auf einen Blog über googelnde Personalchefs aufmerksam machen. Die Lasten von Dorfklatsch sind mit den ‘Social Network Tools’ eindeutig globaler geworden.

Die Verbreitung der Sozialen Netzwerke sieht man auf vallewag.com in der World Map of Social Networks. Und aktuelle Neuigkeiten zu den Web 2.0 Plattformen gibt es auf netzwertig.com. Was besonders auffällt ist die Tatsache, dass die populärsten Networking-Plattformen in erster Linie als Tools für Studentennetzwerke dienten. Die Bedeutung in der Wirtschaft hat sich erst nachher daraus heraus gebildet. Auf die Unterschiede in der weltweiten Nutzung dieser Plattformen wird auf netzwertig.com ebenfalls aufmerksam gemacht. Dies als kleinen Abstecher in den Web 2.0 Markt.

Die Hieroglyphe ist die Massage Mai 10, 2008

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Den Teil wollte ich eigentlich bereits vor längerem posten. Es geht um die Interpretation von McLuhan im Zusammenhang mit seiner Betrachtung von Medien. Bekanntlich stammt ja die Aussage ‘The Medium is the Massage’ aus seinem Buch “Understanding Media”. Damit will er im Prinzip einfach nur darauf aufmerksam machen, dass wer sich mit Medien beschäftigt, Medieninhalt und Medienwirkung klar trennen soll. Wer sich also mit Fernsehen auseinander setzt, der sollte sich nicht auf den Inhalt konzentrieren, sondern auf das Medium Fernsehen selbst, denn die Inhalte können den Rezipienten auf unterschiedliche Wege erreichen. Das scheint mir in Bezug auf das ‘Global Village’ dahingehend wichtig, da McLuhan - wie bereits in einem vorangegangenen Blog beschrieben - von der Tatsache des Mediums selbst eine Veränderung des Menschen herleitet. In der “Gutenberg-Galaxis” erwähnt er sogar, dass die Welt ein Dorf wird, weil der Mensch sich wieder zum Stammesbewohner verändert. Dazu habe ich eine Textstelle, welche ich unbedingt auch in diesem Blog noch nennen möchte. Es geht darum zu Zeigen, dass McLuhans Ansatz zur Betrachtung von Medien schon einige Jahrtausende vor McLuhans Zeit zum Ausdruck gebracht wurde. Die Textstelle stammt aus Platons “Phaidros”6:

“SOKRATES: Ich habe also gehört, zu Naukratis in Ägypten habe es einen der alten Götter des Landes gegeben, dem auch der heilige Vogel, den sie Ibis nennen, geweiht war. Diese Gottheit trage den Namen Theuth. Dieser habe zuerst Zahl und Rechnung erfunden, und Messkunst und Sternkunde, dann Brettspiel und Würfelspiel und schliesslich auch die Buchstaben. König über das gesamte Ägypten war damals Thamus in der grossen Stadt des oberne Landes, welche die Hellenen das ägyptische Theben, wie sie den Königs-Gott Ammon nennen. Zu diesem kam Theuth und zeigte ihm seine Künste und sagte, man müsse sie auch den anderen Ägyptern mitteilen. Thamus aber fragte von jeder, welchen Nutzen sie brächte, und wie jener es erklärt, so lobte er und tadelte was ihm gut oder nicht gut erklärt schien. Thamus soll nun dem Theuth vieles für und gegen jede dieser Künste erlklärt haben, was zu weitläufig zu erzählen wäre. Als er aber zu den Buchstaben kam, sagte Theuth: ‘Diese Kunde, o König, wird die Ägypter weiser machen und ihr Gedächtnis erhöhen, denn zur Arznei für Gedächtnis und Weisheit wurde sie erfunden.’ Der aber erwidert: ‘O kunstreicher Theuth, ein anderer ist fähig, die Werkzeuge der Kunst zu erzeugen, ein andrer wieder zu beurteilen, welches Los von Schaden und Nutzen sie denen erteilen, die sie gebrauchen werden. Auch du sagtest jetzt als Vater der Buchstaben aus Zuneigung das Gegenteil dessen, was sie bewirken. Denn wer dies lernt, dem pflanzt es durch Vernachlässigung des Gedächtnisses Vergesslichkeit in die Seele, weil der im Vertrauen auf die Schrift von aussen her durch fremde Zeichen, nicht von innen her aus sich selbst die Erinnerung schöpft. Nicht also für das Gedächtnis, sondern für das Erinnern erfandest du ein Mittel. Von der Weisheit aber verleihst du dienen Schülern den Schein, nicht die Wahrheit. Denn wenn sie vieles von dir ohne Unterricht gehört haben, so dünken sie sich auch Vielwisser zu sein, da sie doch grösstenteils Nichtwisser sind, und sie sind lästig im Umgang, da sie statt Weise Dünkelweise geworden sind.’ “

(Platon 1979: 86)

Netz[werk]gesellschaft, globale Ströme und Konsensfindung März 30, 2008

Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.
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Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen der Netzwerkgesellschaft und der Netzgesellschaft im Sinne des ‘global Village’? Nach meinem derzeitigen Verständnis - d. h. nach dem Lesen von Castells - ist mit Netzgesellschaft eher die Internetgesellschaft bezeichnet, also eine Gesellschaft, die es ohne Internet nicht gibt. Eine Netzwerkgesellschaft hingegen ist eine Gesellschaft, die primär auf soziale oder wirtschaftliche Netzwerke gestützt funktioniert. Diese können selbstverständlich auch ohne Internet bestehen. Aber ohne die modernen Möglichkeiten der Vernetzung würden sie unter Umständen nicht gleichermassen effizient funktionieren. Mein persönliches Fazit aus diesem Gedanken besteht darin, dass viele Eigenschaften der agierenden Persönlichkeiten in der Netzgesellschaft auch schon vor der Erfindung der elektronischen Medien bestanden. So war und ist jemand, der in einer Bibliothek steht und eine Antwort auf seine Fragen sucht genauso in ein Netzwerk eingebunden wie das Mitglied im Forum einer Community. Auch was die Zusammenarbeit und die damit verbundene Konsensfindung im Netz betrifft - also die Frage: Wie kann eine Herrschaftslose Masse etwas zustande bringen? -, so stossen wir auf die selben Fragezeichen, welche bereits Generationen vor uns sahen, als es um die Frage nach Demokratie ging.

Hierzu wurden in der Geschichte reichlich Überlegungen angestellt, die nach alter Vorstellung gegen die Demokratie sprechen. Die Gesellschaftsmodelle von damals, welche aus unserer Sicht am ehesten der Demokratie entsprechen, waren meist utopische Vorstellungen, welche nicht eine tatsächliche Demos-[Volks-] Kratia[Herrschaft] anstrebten, sondern eine Herrschaftsform, welche sich stärker auf die Gerechtigkeit gegenüber dem Volk konzentrierte als die zur entsprechenden Zeit aktuellen politischen Systeme.

In Bezug auf das Agieren der Massen im Internet finde ich persönlich hilfreich, was Niccolò Machiavelli in der Zeit zwischen 1513 und 1522 in seinem Buch “Discorsi”5 über die Herrschaft des Volkes geschrieben hat:

“Die Natur der Volksmassen ist daher nicht schlechter zu beurteilen als die eines Machthabers. Beide lassen sich in gleichem Masse Verfehlungen zuschulden kommen, wenn sie es können, ohne die Gesetze fürchten zu müssen. Hierfür sprechen ausser den bereits angeführten Fällen viele Beispiele aus der Geschichte der römischen Kaiser und anderer Tyrannen und Alleinherrscher, bei denen man grössere Unbeständigkeit und jäheren Wechsel in ihrem Verhalten beobachtet, als man je bei irgendeiner Volksmenge finden wird. [...] Und irrt es auch, wenn ihm wie oben erwähnt, kühne und nützlich erscheinende Projekte vorgeschlagen werden, so irrt ein Alleinherrscher, der in seine Leidenschaften verstrickt ist, erst recht; denn er hat deren viel mehr als das Volk. [...] Nie wird man das Volk überzeugen können, dass es von Vorteil sei, einen minderwertigen, verderbten Menschen mit einer hohen Würde zu bekleiden, während man einen Alleinherrscher leicht und mit tausend Mitteln dazu überreden kann.”

(Machiavelli 1977: 150 ff.)

Damit dieser Blog beim ‘global Village’ bleibt und nicht allzu sehr in das Thema Politik abrutscht, denke ich es genügt, wenn wir uns darauf einigen, dass die Kriterien für die Entscheidungsfindung im Netz durch die Community festgelegt werden und wenn nicht besonders vereinbart auf der Grundlage der öffentlichen Meinung innerhalb der Community beruhen.

An dieser Stelle möchte ich eigentlich zur Bedeutung der Identität zurück kehren. Sie ist der Schlüssel zu den Bewegungen im ‘global Village’. Schliesslich bilden sich über die Identitäten der Individuen die Communities. Um diese Identitäten irgendwie einordnen zu können, denke ich, ist die heute noch viel umstrittene Memetik ein sinnvolles Werkzeug. Diese Wissenschaft wird wahrscheinlich noch einigen Wandel durchmachen, aber wie es uns gelungen ist über die Vorstellung von Atomen die physische Welt besser zu verstehen, so erscheint es mir bislang noch sinnreich auch für die Psyche eine kleinste Einheit zu schaffen - nach Richard Dawkins also ein Mem. Brent Silby beschreibt eine memetische Einheit als den kleinsten Teil einer Idee oder eines Gedankens, den man kopieren kann, ohne dass er seine Bedeutung verliert, resp. eine Idee, die bei dem Kopiervorgang intakt bleibt. Brant Silbys einführender Text ins Thema ‘What is a Meme?’ finde ich noch gemütlich zu lesen.

Auch wenn wir Merkmale früherer Gesellschaften in uns tragen, so ist doch eines markant anders geworden und das ist die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen von statten gehen. Um diese Veränderungen beurteilen und/oder einordnen zu können, muss man sich über die globalen Ströme und ihre Prinzipien im klaren sein. Daher werde ich mich noch mehr mit Memetik und in diesem Zusammenhang wahrscheinlich auch mehr mit neuronalen Netzen beschäftigen.

Von Gesellschaft zu Identität März 22, 2008

Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.
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Die Frage nach Gesellschaft hat sich verlagert. Während ich zuvor in der Zuordnung zu einer Gesellschaft gedacht habe, scheint mir nun nach Manuel Castells “Die Macht der Identität”4 die Zuordnung zu Identitäten wichtiger. Ein Punkt, den ich mir so noch nie wirklich überlegt habe. Auch wenn der Unterschied beinahe nur im Wort ‘Identität’ und ‘Gesellschaft’ an sich liegt und der Ebene der Betrachtung, so ist für mich der Begriff der Gesellschaft stärker mit nationalen, religiösen oder wirtschaftlichen Grenzen verbunden.

“In der Netzwerkgesellschaft ist für die meisten sozial Handelnden der zentrale Bezugspunkt von Sinn eine primäre Identität - also eine Identität, die den anderen den Rahmen vorgibt -, die über Zeit und Raum hinweg selbsterhaltend ist.”

(Castells 2003: 9)

Castells unterscheidet von drei Identitäten. Der legitimierenden Identität, der Widerstandsidentität und der Projektidentität. Die legitimierende Identität orientiert sich an einer herrschenden Institution (z.B. dem Staat). Die Widerstandsidentität entsteht durch Benachteiligung ausgehend von der herrschenden Institution. Und die Projektidentität entsteht, “wenn sozial Handelnde auf der Grundlage irgendwelcher ihnen verfügbarer kultureller Materialien eine neue Identität aufbauen [...]” (Castells 2003: 10).

Eine in der Tat spannende Lektüre war Castells zweiter Band über das Informationszeitalter. Die Konstruktion von Identität zieht sich dann weiter durch den ganzen Band als grundlegende Kraft der Bildung von Gesellschaften, welche keineswegs an einen physischen Ort gebunden sein müssen.

Ein weiteres Schwergewicht legt Castells - neben der Vertiefung in fundamentalistische Ströme - auf den bröckelnden Patriarchalismus. Ein Fokus auf ‘die kleinste Zelle des Staates’ - die Familie -, dessen Bezug auf die Informationsgesellschaft durch die flexible Arbeit der Frau gewährleistet ist. Diese flexible Arbeit der Frau wird in der Informationsgesellschaft verstärkt nachgefragt und verbessert die wirtschaftliche Macht der Frau innerhalb der Familie - und somit auch ihre Verhandlungsmacht. Für eine volle Ausführung über die Kapitel in “Die Macht der Identität” ist in diesem Blog eindeutig zu wenig Platz. Ich denke einzig die Empfehlung sich diese Kapitel einmal anzuschauen kann ich hier abgeben.

Einer geeigneten Metapher für die Weltgesellschaft im Informationszeitalter bin ich seit dem letzten Beitrag nicht näher gekommen, aber immerhin einem geordneteren Bild über die Welt als solches.

Banntag März 18, 2008

Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.
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Da haben wir es! Durch hunderte von Seiten gelesen und das globale Dorf bleibt ein Mysterium. Wo mir McLuhan beinahe zu abgehoben schien, zu rasch hinüber stolpernd in phantastische Weltvorstellungen eines quasi Ideals von Gesellschaftsstruktur - genannt Noosphäre, da setzt sich nun ein völlig anderer Ansatz zur Betrachtung der elektronischen Weltgesellschaft von Manuel Castells entgegen. Er setzt da an, wo viele von uns glauben zu leben… in der “wirklichen Welt”. So führt er zu beginn seiner Triologie ‘Das Informationszeitalter’ eine kleine geschichtliche Übersicht auf. Darin erwähnt er die für ihn relevanten historischen Ereignisse. Eine durchaus interessant zu lesende Einführung in die Geschichte der Informatik mit einer manchmal etwas anderen Interpunktion, die beim lesen in ihrer Richtigkeit aber nur schwerlich an zu zweifeln ist. So hat für ihn in Sillicon Valley “‘Walker’s Wagon Wheel Bar and Grill’ [...] mehr zur Verbreitung technologischer Innovation beigetragen als die meisten akademischen Veranstaltungen in Stanford” (Castells 2004: 69). Darin sehe ich gleich einen Verweis auf die Bedeutung von Netzwerken in der gesellschaftlichen Entwicklung und wie aus sich selbst heraus entstehende Formationen Einfluss auf die Welt nehmen können. Natürlich spielen diverse äussere Faktoren ebenfalls eine Rolle. Auch diese führt Castells auf.

Entscheidend für meine Vorstellung vom globalen Dorf - resp. zur Einkreisung dieses Begriffes - ist Castells Hinweis auf das existieren zweier Revolutionen. Als erstes der technischen Revolution, welche die Industrialisierung bewirkt hat und darauf folgend der informationstechnologischen Revolution. Dabei deutet er auf folgende Eigenschaft hin:

“Es gibt noch ein weiteres Charakteristikum, das die Revolution in der Informationstechnologie im Vergleich zu ihren Vorläuferinnen auszeichnet. Mokyr hat gezeigt, dass frühere technologische Revolutionen nur in wenigen Gesellschaften stattfinden, sich auf ein relativ begrenztes geografisches Gebiet ausweiteten und oft in gegenüber anderen Regionen der Erde isolierten Räumen und Zeiten wirkten.”

(Castells 2004: 35)

Dabei wird klar, dass wir beim Betrachten der Welt und ihrer Prägung durch die Medien auch berücksichtigen müssen, wo welche Medien überhaupt vertreten sind. So können wir nie von der gesamten Welt sprechen, sondern lediglich von den Zonen und Gesellschaftsschichten, welche sich in den entsprechenden Medienwelten aufhalten. In vollem Bewusstsein um die Eigenschaften des ‘digital divide’ geht es mir nun darum eine geeignete Metapher zu finden für den spezifischen Teil der Welt, welcher das Informationszeitalter zu seinem Alltag hat werden lassen. Eine Gegenüberstellung sowie Abgrenzung der neuen (Netz-) Gesellschaft zu traditionellen Gesellschaftsformen ist demnach meine frisch erlangte Aufgabe, die ich bis zum nächsten Beitrag - zumindest ansatzweise - erfüllen will.

Über die Bewohner März 13, 2008

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Auf der Suche nach mehr Hintergründen zu McLuhans Metapher des ‘Global Village’ habe ich mich mit “Understanding Media”3 auseinander gesetzt. Zumindest habe ich damit begonnen, aber irgendwie führte mich das Buch auf die falsche Fährte. Obwohl das Zitat aus eben diesem Buche stammt, geht McLuhan nicht explizit auf die Einzelheiten der globalen Vernetzung ein. McLuhnans Themen sind eher die Auswirkungen der Kanalreduktion von Medien auf den Menschen. So macht er im Kapitel ‘The Medium is the Massage’ darauf aufmerksam, dass viele den Inhalt und das Medium nicht sauber trennen. Der Fernseher ist das Medium, was darin gezeigt wird der Inhalt. Die Medienwirkung ist demnach etwas anderes als die Wirkung des dargestellten Inhalts. Und so kommen wir für einen kurzen Moment wieder auf die “Gutenberg Galaxsis” zurück. Die spezielle Wirkung der Medien wird nämlich auf die Verlagerung unserer Sinne zurück geführt:

“Als die phonetische Schrift Denken und Handeln noch nicht auseinandergerissen hatte - so betont Carothers -, konnte man nicht umhin, alle Menschen für ihre Gedanken im selben Masse verantwortlich zu machen wie für ihre Handlungen. [...] Daraus folgt natürlich, dass der alphabetische Mensch, wie wir ihm in der griechischen Welt begegnen, ein gespaltener Mensch, ein Schizophrener ist, wie alle alphabetischen Menschen es seit der Erfindung des phonetischen Alphabetes sind.”

(McLuhan 1962: 26)

Und des weiteren…

“Blake sagt ganz ausdrücklich, dass bei einer Veränderung der Sinnesverhältnisse sich auch der Mensch ändert. Die Sinnesverhältnisse ändern sich, wenn irgendein Sinn oder eine körperliche oder geistige Funktion in technischer Form veräusserlicht wird.”

(McLuhan 1962: 327)

Ein gespaltener Mensch… Gespalten in Denken und Handeln. Das ist der Punkt, welcher auf die Frage zeigt: Was ist Psyche? Und wie wird sie durch unsere Sinne, resp. eine einseitige Wahrnehmung unserer Sinne beeinflusst oder verändert. Eine durchaus interessante Fragestellung, der ich mich nur zu gerne hingeben würde. Zu diesem Zeitpunkt aber scheint mir dies noch am Thema vom ‘Global Village’ vorbei zu gehen. Nichts desto trotz finde ich die Beschaffenheit der kleinsten Einheit der Gesellschaft wichtig. Und wahrscheinlich werden die Unterschiede und Besonderheiten der vernetzten Gesellschaft am deutlichsten, wenn man ihre Teilhaber ansieht. So denke ich an den Homo oeconomicus welcher durch den viel bekannten Homo sociologicus seine Ablösung fand, ein Individuum, welches nicht mehr durch die Wirtschaft, sondern durch die Anforderungen an die eigene soziale Rolle gesteuert wird. Aber wenn man im Netz soziale Anspruchsgruppen per Mausklick entfernen kann, darf man dann überhaupt noch von einer Rolle sprechen, welche der Nutzer in seiner virtuellen Welt inne hat, oder geht das Leben in der virtuellen Welt nicht eher weg von festen Rollen hin zu temporären Funktionen?

Aber was soll das ‘Global Village’ überhaupt darstellen? Die meisten Lexika-Einträge haben unter dem Begriff Dorf einen Hinweis auf die Agrarwirtschaft als vorrangiger Wirtschaftszweig. Des weiteren ist natürlich eine niedrige Einwohnerzahl Merkmal solch einer Gemeinschaft. Die vielschichtige Dynamik einer Vernetzten Erde kommt meines Erachtens in einem Dorf kaum vor. Wobei sich das Dorfleben in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat, denn ein modernes Dorf entspricht - da wo ich her komme zumindest - vielmehr einem Agglomerations-Satelliten, als einer Dorfgemeinschaft im klassischen Sinne. Ein ‘Village’ wird allerdings überall auf der Welt etwas anders verstanden.

Zum besseren Verständnis für dieses umfassende Thema habe ich mir nun ein paar umfassende Manuel Castells Bücher vorgenommen für zwischendurch. Mal sehen, was dabei heraus schaut.

Kaum mehr als ein Dorf. März 2, 2008

Posted by louiekerzers in 02 Informationsgesellschaft.
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Nachdem ich mich kurz in die Biographie von Marshall McLuhan ein las, fiel mir als erstes auf, dass er immer in Grossstädten lebte, was wahrscheinlich erklärt, weshalb er den Begriff des globalen Dorfes auch seine Lebzeit hindurch als Metapher verwendete. Als jemand, der tatsächlich in einem Dorf gross geworden ist, scheint mir der Vergleich auf den ersten Blick sinnvoll, auf den zweiten Blick hinkt er allerdings an diversen Ecken. Ich denke man sollte an dieser Stelle noch besonders betonen, dass McLuhans Aussage in einer Zeit entstand, in welcher vorrangig Film, Fernsehen, Radio und Telefon als elektronische Medien präsent waren.

Den Gedanken des globalen Dorfes hat McLuhan bereits in “The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic Man”2 aus dem Jahre 1962 eingeführt. Dort lautet eine Kapitelüberschrift: “Die neue elektronische Interdependenz verwandelt die Welt in ein globales Dorf.” Im darauf folgenden Text macht er Andeutungen über die Vergleichbarkeit afrikanischer Stammesgesellschaften mit der neuen von elektronischen Medien geprägten Welt. Er zitiert Pierre Teilhard de Chardins an einer Stelle, in der Teilhard davon schreibt, dass durch die elektronischen Medien ein Individuum gleichzeitig Einfluss auf allen Kontinenten habe - der Umkehrschluss daraus wäre dementsprechend, dass ein Individuum ebenfalls von allen Kontinenten her beeinflusst werden kann.

McLuhan spricht dann auch von “unserem langen Bemühen [...] wieder eine Einheit des Empfindens, des Denkens und Fühlens zurückzuerlangen”. Das riecht nach kulturellem Einheitsbrei und wird im Prinzip schon ein Jahr nach Erscheinen von “The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic Man” durch Maletzkes Vorstellung vom dispersen Publikum überholt. Einzig aus subjektiver Sicht könnte man da noch die Welt als Dorf verstehen, aber auch nur dann, wenn man sich sein eigenes Dorf schafft und alles Andere ausblendet.

Ungeachtet dessen, dass man im Hinblick auf ein disperses Publikum eher von globalen Dörfern, als von einem globalen Dorf sprechen müsste, ist mir noch eine weitere Sache über den Weg gestolpert, welche von McLuhan keine Erwähnung findet. Namentlich handelt es sich um eine Passage von Karl Marx, in welcher er in gewisser Weise ebenfalls eine Verkleinerung der Welt zum Ausdruck bringt. Allerdings bezogen auf die physische Logistik im Personentransport:

“Ein relativ spärlich bevölkertes Land mit entwickelten Verkehrsmitteln besitzt eine dichtere Bevölkerung als ein mehr bevölkertes Land mit unentwickelten Verkehrsmitteln. “

(Marx 1957: 232)

Interessanter Weise hat Marx an dieser Stelle darauf verzichtet von einer Verkleinerung der Welt - resp. des Landes - zu sprechen. Vielmehr redet er von einer Verdichtung der Bevölkerung. Das ist in sofern passend, als dem elektronischen Zusammenzug der Welt ebenfalls Grenzen gesetzt sind und diese liegen bei der Kapazität der Rezipienten. So müsste man beim elektronischen Zusammenzug der Welt ebenfalls vielmehr von einem dichter werden sprechen und das Resultat wäre dann kein Dorf, sondern zumindest eine Stadt.

Und mit diesen Einstiegsgedanken zum Thema beende ich meinen ersten Beitrag und werde mich im Hinblick auf weitere Blogs mit der Vernetzung der Welt und der daraus resultierenden Netzwerkgesellschaft beschäftigen.